Dogs

Übertriebene Symbiose

Aufpassen dass man nicht in eine übertriebene Symbiose rutscht und sich und sein Umfeld in seiner Freiheit einschränkt.  

Was heisst falsche oder übertriebene Symbiose? 

Das heisst, der Hund wird zu einem Teil von ihnen, ähnlich wie ein Körperteil, wie bspw. ein Arm. Wenn der Arm juckt- müssen sie sich kratzen, wenn er schmerzt- müssen sie ihn hal­ten. Die Hundehalter in einer solchen Symbiose halten Spannungen nicht aus, deshalb erkennen sie bei ihren Hunden jedes Anzeichen von Angst, Stress, Konflikt und Unwohlsein und führen ihn schnellstmöglich wieder in eine angenehme Situation - Anders gesagt, sie lesen dem Hund jeden Wunsch von den Augen ab - Damit tun sie ihren Hunden aber keinen Gefallen! Die Folge - Hunde lernen nicht mit Unbehagen umzugehen. Die Hunde solcher Besitzer werden in ihrer Entwicklung ge­bremst, ihre emotionale und soziale Psy­che bildet sich nicht weiter aus. Dabei ist gerade die Psyche eine Voraussetzung dafür, dass Soziale Gemeinschaften miteinander klarkommen/ überhaupt zu Stande kommen. Statt­dessen wird aber das Entwicklungsdefizit zum Massenphänomen: Viele Junghunde welche zu uns in die Hundeschule kommen haben das Weltbild eines Welpen.

Wie äussert sich das? 

Sie haben keine Frustrationstoleranz, kennen wenig bis gar keine Regeln und Grenzen, kennen keine Individualdistanzen, kennen wenig Empathie oder zeigen stets Demutsverhalten (verhalten sich dauernd als Opfer) - Ja logisch, schliesslich dreht sich alles um Sie und Ihre Bedürfnisse. Dies führt unweigerlich zu Lernbehinderungen und unerwünschtem Verhalten.  Daher ist es wichtig den Hunden schon früh beizubringen, dass stillsitzen und ruhig verharren eine wichtige Lektion ist, welche dem Selbst- und Arterhaltungstrieb zu Grunde liegt. Wie sol­len sie sich mit neuem befassen können, wenn sie nie gelernt haben, still zu sit­zen, aufmerksam zu sein oder etwas zu tun, wor­auf sie gerade keine Lust haben? Ihr Entwick­lungsdefizit macht es unmöglich, dass sie ihre Intelligenz ausschöpfen. Man trainiert heute Hunde nur unter der Voraussetzung, dass sie lustorientiert den Möglichkeiten folgen welche ihnen Ihre Besitzer anbieten. Meide-verhalten wird teilweise sogar bestätigt (also jegliche Anstrengung psychisch und physisch wird vermieden). Hunde müssen aber auch lernen sich zu konzentrieren, sich dabei auf den Hundehalter einzulassen und mit diesem zu kommunizieren - Dies ist eine elementare Grundvoraussetzung um zu lernen.  

Aus meiner Sicht haben gesellschaftliche Veränderungen und der technischer Fortschritt einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass viele Menschen mit einigen Veränderungen überfordert sind. Sie erfahren Defizite, erleben Depressionen,  sind enttäuscht oder leben gar sozial Ausgeschlossen usw.  als Hundehalter machen sie dann die Fröhlichkeit  und die Zu­friedenheit des Hundes zu ihrer eigenen. Sie begreifen und erleben durch den Hund. Vieles ist heute unsicherer Geworden aber dennoch streben wir nach Sicherheit und Anerkennung. Wenn das soziale Umfeld diesen Bedürfnissen nicht mehr gerecht wird ist die Gefahr gross, dass Menschen dies über Ihre Hunde kompensieren. Felnasenbesitzer wollen ihren Hunden vermeintlich Gutes tun, indem sie sich pausenlos um deren Bedürfnisse kümmern – das sind unbewusste Kompen­sationen. Das führt zu einem gefährlichen Umkehrmechanismus - Der Hundehalter ist bedürftig und braucht den Hund, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Hunde benötigen aber Sicherheit und Geborgenheit (souveräne Hundehalter, welche mit beiden Beinen im Leben stehen und die Verantwortung für eine Gemeinschaft übernehmen). Ausgeglichene Hundebesitzer die stets wissen was sie wollen und  in sich ruhen, übertragen Ihr Verhalten auch auf den Hund. Leider gibt es nicht viele solche Hundehalter, da wir fast alle dauergestresst sind.   

Auch die Verwechslung von  Selbstständigkeit und Selbstbestimmung führen immer wieder zu Problemen! Hunde sollen Aufgaben durchaus selbständig lösen aber bitte nicht selbstbestimmend. Ich arbeite den ganzen Tag selbst­ständig, bin aber trotzdem fremdbe­stimmt – Kunden, Lebenspartner, Gesetze etc.
Hunde die nicht lernen,  dass es fremdbestimmt ist sich auf gewisse Situa­tion einzustellen und er sich entsprechend anpassen muss, wird immer wieder in ungewünschte Konfliktsituationen geführt .
Leider geht es bei vielen Hundehalter eben darum, dass Führung, soziale Hierarchien und Autorität als negativ empfunden werden! Diese Begriffe haben nichts mit Gewalt oder Kadavergehorsam zu tun, sondern basieren auf Vertrauen, übernehmen von Verantwortung, sowie das Erkennen von Gefahren und Risiken für eine soziale Gemeinschaft.
Das Problem dabei  ist, dass sich alle im Hund sehen. Und die irrige Vorstel­lung haben, sie müssten dem Hund wie einem Menschen alles erklären. Wie sollen Hunde, die im Glauben aufwachsen, die Welt drehe sich um sie, entspannt in unserer Gesellschaft bestehen?  Sie werden unsicher, ängstlich, reaktiv, aggressiv etc. Wir würden für gewisse Aufgaben (Diensthunde, Assistenzhunde etc.) kaum Hunde finden, wenn diese nicht lernen würden Situationen auszuhalten und mit Anweisungen oder Abbruchsignalen umzugehen. Zurück zum gesunden Menschenverstand heisst es immer so schön.  

Was können Hundehalter tun?  

Die gefährliche Symbiose lösen. Indem sie zur Ruhe kommen, mal ein paar Stun­den alleine mit sich sind, ohne Ablen­kung, ohne Handy. Die meisten Menschen halten das ja gar nicht mehr aus. Und indem sie nicht mehr reflexartig auf jede Aufforderung des Hundes reagieren, son­dern verzögert: zunächst mal innerlich auf vier zählen. So lernt der Hund, dass es einen Unterschied gibt zwischen Gegen­ständen und Menschen. Unsere Hunde reagieren nicht auf Knopfdruck und genauso wenig sollen wir dies tun. Frustrationstoleranz (Ergänzung)Die Frustrationstoleranz ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die die individuelle Fähigkeit beschreibt, eine frustrierende Situation über längere Zeit auszuhalten. Eine geringe Frustrationstoleranz weist auf eine Schwäche in der persönlichen Entwicklung des Hundes hin. Durch Lernprozesse kann die Frustrationstoleranz gestärkt werden, etwa durch Belohnungsaufschub oder Belohnungsreduktion. Individuen mit niedriger Frustrationstoleranz neigen zu erhöhtem Anstrengungs- sowie Vermeidungsverhalten. Je stärker die Frustrationstoleranz hingegen ausgeprägt ist, umso weniger sind aggressive Verhaltensformen zu finden. Grundsätzlich gibt es folgende drei Möglichkeiten, wie Aggressionen aus Frustrationserlebnissen sich im beobachtbaren Verhalten zeigen:
  • Frust --> Aggressionen leugnen --> meiden
  • Frust --> Aggressionen nach innen richten --> kratzen Fell beissen etc. 
  • Frust --> Aggressionen nach außen richten --> Aggressionen zeigen

Die Ursache dafür, warum ein Hund eine frustrierende Situation länger erträgt (d.h. kein auf erhöhte Belastung hindeutendes Verhalten zeigt) als ein anderer Hund, kann also einerseits darin liegen, dass dieser Hund die erlebte frustrierende Situation durch die entsprechende Erwartung ausgleichen kann (sie also Belohnungsaufschub erlernt hat), oder sie kann andererseits einfach daher rühren, dass das Tier die dargebotene Situation von vorneherein schon nicht als so frustrierend erfährt, wie das ein anderer Hund tun würde.

Impulskontrolle oder eben Selbstbeherrschung

Der Hund soll lernen dass er nicht jedem Reiz/Impuls folgen darf, sondern sein Bedürfnis je nach Situation  kontrollieren muss. Abhängig von der Triebveranlagung und dem Reiz, fällt dies dem einen oder anderen Hunde-typ entsprechend schwer. Einige Beispiele

  • Fressen wird hingestellt der Hund darf aber nicht sofort hin.
  • Hund sieht einen bekannten Menschen, darf aber nicht gleich hin oder muss an der Leine bleiben.
  • Hund möchte Beuteersatz fangen darf aber nicht (z.B. Ballspiel)
  • Hund möchte bellen, darf aber nicht.
  • Hund möchte jagen darf aber nicht.
  • etc.

Selbstbeherrschung muss abhängig vom Alter, der Triebveranlagung, der Rasse-Eigenschaft und der Erfahrung des Hundes trainiert werden und kann nicht pausenlos eingefordert werden. Hier ist Stufengerechtes Training mit viel Geduld angesagt.   

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