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Stress bei Hunden

Begegnungsstress, Konfrontationsstress, Leistungsstress, Orientierungsstress, Situationsstress - Stress hat viele Gesichter und begegnet unseren Vierbeinern in vielen unterschiedlichen Bereichen ihres Lebens. Wie schnell gehen uns Sätze wie "Er/Sie hat Stress" oder "Ich fand er/sie war ziemlich gestresst" über die Lippen. Drücken wir damit nur eine dem Hund unangenehme Situation aus oder steckt mehr dahinter? Was ist Stress?

Das Wort Stress ist negativ belastet. Dabei gerät jedoch ganz in Vergessenheit, dass Stress per se nichts Schlechtes ist. Er wirkt in seiner positiven Form antriebsfördernd und ist geradezu lebensnotwendig. Denn Stress ist ein angeborenes Verhalten, eine Reaktion des Organismus, auf Gefahrensituationen (Stressoren) reflexartig mit einem Angriffs- oder Fluchtverhalten zu reagieren.

Stress ist eine ausgeklügelte Bio-Schaltung. Denn Stresssituationen zwingen Lebewesen zu blitzschnellen Entscheidungen, immer dann, wenn keine Zeit zum Nachdenken bleibt. Er mobilisiert die letzten Kräfte und versetzt den Organismus innerhalb kürzester Zeit in Alarm- und Handlungsbereitschaft. Dieser Mechanismus kam schon manchem Lebewesen zugute, denn wenn sich plötzlich eine Gefahr näherte, konnte langes Nachdenken tödlich sein. Schnelle Reaktionen sind überlebenswichtig.

Sieht sich der Hund sich einer Stresssituation gegenübergestellt, spult der Organismus automatisch ein Programm ab, das den Körper in Handlungsbereitschaft versetzt und alle notwendigen Ressourcen bereitstellt.

  •  Herzschlag- und Atemfrequenz erhöhen sich.
  •  Der Blutzuckerspiegel (Energielieferant) wird angehoben.
  •  Muskeln spannen sich an.
  •  Adrenalin- und Cortisolproduktion werden angeregt.
  •  Der Körper produziert vermehrt rote Blutkörperchen.
  •  Magen und Darm stellen die Verdauungstätigkeit ein.

Wichtig zu wissen - Eustress und Distress

Stress ist nicht gleich Stress. Vielleicht haben Sie es schon selbst einmal bemerkt. Erst unter etwas Druck laufen Sie zur Höchstform auf, Sie bewältigen die Aufgabe in der vorgegebenen Zeit, die Arbeit macht Spass. Am Ende sind Sie zufrieden und fühlen sich gut. In diesem Fall kann man von positivem Stress sprechen, auch Eustress genannt. Gekennzeichnet ist dieser positive Stress dadurch, dass die Situation nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung erlebt wird; wie zum Beispiel ein Musiker oder Schauspieler der vor seinem Auftritt das Lampenfieber erlebt. Oder aber auch ein Sportler, der seine Stressreaktionen kontrolliert und auf den Punkt hin seine Energie bündeln kann und Höchstleistung erbringt.

Die andere Art von Stress, von dessen schädigender Wirkung man ausgehen kann, wird als negativer Stress oder Distress bezeichnet. Hunde empfinden ihn als belastend, sie sind dauernd angespannt und brauchen Ventile, damit Ihr Druck abgebaut wird (Bewegungsjunkie's, Egozentrisches Verhalten, Stereotypisches Verhalten, Agression oder Autoagressionen). Ist ein Hund dauernd solchen Situationen ausgesetzt wirkt sich dies zwangsläufig Schädigend aus.

Die Gratwanderung von Eustress zum Distress ist durchaus gering und für den Laien nicht immer einfach erkennbar, deshalb ist es umso wichtiger diese Fähigkeit zu entwickeln und ggf. zu schulen (Hundeschule). Hunde die niemals gelernt haben mit Stress umzugehen, sind in unserer Reizüberfluteten Umgebung masslos überfordert, zeigen unerwünschtes Verhalten und werden krank. Hunde die dauernd und zwanghaft Reizen ausgesetzt werden (Umwelt, Spiel, Aufmerksamkeit) können diese schwer verarbeiten und werden dadurch überfordert. Dennoch: Bei jedem Hund liegt die Grenze woanders. Denn was der Eine als Herausforderung empfindet, stellt für den Anderen eine nur schwer erträgliche Belastung dar. Es ist oftmals nur ein kleiner Schritt, jedoch ein Schritt mit Folgen.

Sind Hunde einer Stresssituation ausgesetzt, läuft die Stressreaktion des Körpers immer nach dem selben Muster ab.

1. Orientierungsphase: In dieser Phase wird der Reiz an das Gehirn geleitet. Es entscheidet, ob dieser Reiz als bedrohlich empfunden wird.

2. Aktivierungsphase: Das vegetative Nervensystem wird blitzschnell aktiviert (Herzschlag- und Atemfrequenz erhöhen sich, der Blutzuckerspiegel als Energielieferant wird angehoben, Muskeln spannen sich an).

3. Anpassungsphase: Bleibt der Stressor bestehen, so bleibt auch der Körper in "Alarmbereitschaft". Der Organismus ist jederzeit bereit, zu reagieren.

4. Erholungsphase: Ist der Reiz abgeflaut, fehlt die Bedrohung. Ist also die Situation erfolgreich bewältigt worden, regeneriert sich der Körper. Er erholt und entspannt sich wieder. Achtung: Ein plötzlicher Entzug eines Reizes (z.B. falscher Eingriff des Menschen) gilt nicht als Bewältigung der Situation und kann sogar bei Wiederholung zu erhöhter Alarmbereitschaft beim Hund führen (Reizverstärkung).

5. Überforderungsphase: Kann sich der Hund nicht ausreichend lange erholen, sind also die Zeiträume zwischen den stressauslösenden Situationen recht kurz oder hält eine Situation sehr lange an, durchläuft der Körper nicht mehr das beschriebene Programm, sondern schaltet auf einen andauernden Alarmzustand. An dieser Stelle wird die Grenze von einer natürlichen, gesunden körperlichen Reaktion zu einem ungesunden, gesundheitsschädigenden Zustand überschritten.

6. Erschöpfungszustand: Diesen Daueralarm kann der Körper nicht auf längere Zeit aushalten. Fehlt ihm die Regeneration, schwindet die Widerstandskraft, seine Ressourcen sind aufgebraucht.

Jedes Individuum, selbstverständlich auch der Hund, braucht für eine normale körperliche und seelische Ausentwicklung angemessene Belastungen - schon im Welpenalter - die ihn zum Handeln respektive zur Anpassung zwingen. Stress ist notwendig, um die Reaktion von biologischen Systemen - sowohl beim Menschen als auch beim Tier - aufrecht zu erhalten.

Ruhephasen, Erholung und die richtige Bewegung ist entscheidend

Für den Abbau der Stresshormone sind die Neurotransmitter Serotonin u. Dopamin zuständig. Neurotransmitter sind die Botenstoffe der Nerven. Sie können eine anregende oder auch eine hemmende Wirkung haben. Man konnte bei Beobachtung von Tieren sogar feststellen, dass ein Serotoninmangel dazu führte, dass sie ihren Nachwuchs vernachlässigten und zu Rabenmüttern wurden. Serotonin – der Stoff, der Siegertypen produziert. Serotonin ist ein Wohlfühl- und Glückshormon! Wie für uns gilt auch für den Hund: „Glück ist lernbar, wenn die Chemie im Gehirn stimmt".

Die meisten unserer Hunde haben dies nicht gelernt und haben einen deutlichen Mangel an Neurotransmitter und der Stressabbau funktioniert nicht mehr wie gewünscht. Sie haben die Chance nicht gekriegt sich zu erholen und dabei etwas wichtiges verlernt. Vergleichbar mit Menschen die an Depressionen leiden. In solchen Situation müssen wir dem Hund helfen den Stressabbau herbei zuführen. Abbau von Stress durch gleichmässige Bewegung - gemütlicher Spaziergang nach Trainingserfolg oder leichtes Joggen mit dem Besitzer (Hund ist im Trab). Der Hund soll aber nicht wild umherspringen (nötigenfalls an die Leine nehmen). Gönnen Sie Ihrem Hund auch die nötigen Ruhephasen, bespassen sie Ihn nicht andauernd oder suchen krankhaft seine Aufmerksamkeit. Schlaf und Ruhepahsen sind auch für ein Hund wichtige Grundvoraussetzung sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Stress und Reizüberflutung sind in der heutigen Zeit nicht zu vermeiden - Doch wir können lernen, gelassener damit umzugehen. Davon profitieren nicht nur wir, sondern auch unser Hund. Denn ein Hund, der ruhig und souverän geführt wird, kann sich viel besser entwickeln. Ein dauernd gestresster Hund ist nicht mehr in der Lage Höchstleistungen zu erbringen. Nur ein ausgeglichener und ausgeruhter Hund kann seinen Aufgaben gerecht werden und über sich hinauswachsen. Für eine erfolgreiches Zusammenleben mit Ihrem Hund ist auch ein entsprechendes Verhalten erforderlich und dies beginnt zunächst bei Ihnen - Entspannter Mensch gleich entspannter Hund. Eine zu grosse Erwartungshaltung, verbunden mit falschem Verhalten führt nicht zum gewünschten Resultat. Emotional schwache Hundehalter, die sich nicht unter Kontrolle haben, stören beim Hund das Seelische Gleichgewicht. Es kommt zum Disstress. Stress will also gemanagt sein - Es geht nicht ohne aber auch nicht mit pausenlosem Stress

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