<![CDATA[Hundeschule Wolfsrudel - Blog]]>Thu, 13 Feb 2020 13:32:46 +0100Weebly<![CDATA[Weihnachtsmärkte, Nikoläuse, Schafsfelle und Hunde]]>Wed, 18 Dec 2019 21:45:14 GMThttp://www.wolfsrudel.ch/blog/weihnachtsmaerkte-nikolaeuse-schafsfelle-und-hunde
Wie jedes Jahr werden in der Vorweihnachtszeit unsere tiefsten Sehnsüchte und die damit verbundenen Gefühle mehr angesprochen als zu anderen Jahreszeiten. Viele Unternehmen reiten mit dieser Welle, um den Profit zu steigern und vor Jahresabschluss die Bilanz aufzupolieren. Viele Geschäfte im Detailhandel tätigen fast 25% ihres Jahresumsatzes in der Adventszeit. Ein lukratives Geschäft aber nicht nur wegen den vielen Geschenken, sondern weil der Konsument besonders leicht zu beeinflussen ist und vieles kauft, was er eigentlich gar nicht benötigt. Ja, man tut sich oder anderen etwas Gutes und fühlt sich in der Welt der Träume und Hoffnungen näher als sonst. Es gibt doch nichts Schöneres als in einer Welt zu schwelgen, wo Romantik, Liebe und Zuneigung Einzug erhalten - oder? Da soll man bekanntlich auch etwas für notleidende Tiere tun. Hunde auf der Strasse, in Tötungsstationen, Tierheimen usw. passen da nicht in das Bild der Weihnachtsmärkte, Nikoläuse und Schafsfelle. Es gibt also keine bessere Zeit, als Menschen dazu zu bringen, sich einen Ruck zu geben, um einer armen «Fellnase» ein Zuhause zu geben oder ist dies nur «gut gemeint»?

Ich bin einer der Administratoren von Schweizer Hunde suchen ein Zuhause und ihr glaubt nicht, wie viele Privatpersonen & Organisationen z.Z. versuchen Hunde zu vermitteln. Unsere FB Gruppe hilft ausschliesslich Hunden, die in der Schweiz leben. Nicht weil wir Auslandshunden keine Chance geben wollen, sondern weil auch Menschen & Hunde aus der Schweiz in unangenehme Lebenssituationen kommen können. Genau da wollen wir ansetzen, damit die Hunde gar nicht erst ins Tierheim gelangen. Zurzeit haben wir aber ganz viele Anfragen zur Inserate-Freischaltung von Hunden, die vom Ausland kommen. Diese Hunde leben zwar in der Schweiz aber sind teilweise erst einige Tage oder Wochen hier, ja sogar nur Stunden. Es ist der Versuch solche Hunde an den Mann respektive an die Frau zu bringen. Natürlich nur mit «Schutzvertrag» aber was heisst das? Nicht unentgeltlich, sondern zu einem festgelegten Betrag – aha. Und dies natürlich «nur» als Spende für die Organisation oder Person, welche den ehrenamtlichen Tierschutz betreibt. Hmm – okay, dass verstehe ich natürlich. Aber weshalb steigen die Inseratenanfragen genau in der Adventszeit um über 300%? Könnte es sein, dass wir genau in dieser Zeit besonders empfänglich sind, solchen Hunden ein neues Zuhause zu bieten? Und wissen unseriöse «Vermittler», dass dies ein lukratives Geschäft ist, wie bei den oben beschriebenen Detailhändlern? Nutzen Mafia ähnliche Organisationen die emotionale Adventszeit aus, um Menschen dazu zu bringen einen Hund bei sich aufzunehmen auch wenn es «nur» eine Pflegestelle ist - also eine Übergangslösung? Menschen werden seit je her unbewusst und bewusst ausgenutzt. 
Natürlich ist Auslandstierschutz nicht per se etwas Schlechtes, im Gegenteil. Was aber, wenn es zum Geschäft wird auf Kosten der Hunde?

Emotionale Anschaffungen sind oft nicht bis ins letzte Detail überlegt. Der eine oder andere bemerkt erst im Nachhinein, dass seine Zusage zu weiterführenden Verpflichtungen führt. Vermeintlich etwas Gutes zu tun und sich dem Mitleid hinzugeben ist schon vielen neuen Hundebesitzer zum Verhängnis geworden, weil er die Aufgabe unterschätzt hat. Dazu gibt es viele Gründe z.B. brauchen Angsthunde wesentlich mehr Zeit zur Anpassung oder können mit Artgenossen nur sehr schwer sozialisiert werden. Die Hunde können auch die Tierarztkosten explodieren lassen, weil sich plötzlich gesundheitliche Probleme zeigen. Natürlich kann dies auch bei einem Hund aus einer seriösen Hundezucht oder aus einem unserer Tierheime geschehen. Diese achten aber in der Regel darauf und hinterfragen, ob die Anschaffung nicht ein rein emotionaler Entscheid ist. Einigen Vermittlern von Hunden ist dies aber nicht bewusst oder gar egal und sie sind froh, wenn die armen Geschöpfe ein Zuhause finden. Was ich, solange keine finanziellen Absichten dahinterstecken, teilweise nachvollziehen kann – man will Gutes tun. Nur wird dabei übersehen, dass Menschen förmlich dazu gedrängt werden, in der «gefühlsbetonten» Adventszeit, sich für einen Hund zu entscheiden. Dies obwohl beim künftigen Besitzer wenig Zeit oder Geduld für einen Hund vorhanden ist. Vielleicht darf dieser ihn nämlich nicht wie gedacht mit zur Arbeit nehmen oder bemerkt, dass die meiste seiner Freizeit flöten geht, welche er sich mühsam erkämpft hat. Allenfalls ist der Hund aber auch nicht so «nett» wie der «Fido» von nebenan. Was nun geschieht, ist die logische Konsequenz. Solche Hunde kommen ins Tierheim oder suchen wieder ein neues Zuhause. Der Hund wird zum «Wanderpokal» und das vermeintlich gute, was dieser Mensch tun wollte, entwickelt sich zum Fauxpas und schlussendlich zur Tierquälerei. Dass ist nicht die ursprüngliche Absicht - oder?
Nein, natürlich nicht und es ist auch nichts Abscheuliches sich der Besinnlichkeit von Weihnachten hinzugeben. 
Mit einer Sach- oder Geldspende an eine Tierschutzorganisation oder indem wir bei einem Tierheim vorbeigehen und einen Hund zum Spazieren ausführen, können wir unseren Beitrag trotzdem leisten. Oder vielleicht kennen und fragen wir jemand, der kurzfristig wenig Zeit für seinen Vierbeiner hat, ob wir mit seinem Hund spazieren gehen sollen?! 

Auf der Welt leben fast eine Milliarde Hunde und davon sind ca. 80% ohne festes Zuhause – man könnte sagen, sie leben auf der Strasse. Dies heisst aber nicht, dass es all diesen Hunden schlecht gehen muss – im Gegenteil, einige dieser Hunde geniessen ihr da sein, wo sie sind. Es könnte aber sein, dass sie von üblen «Menschen» eingefangen werden, um mit ihnen Profit zu machen. Natürlich ist dies nicht immer der Fall und es gibt viele schätzenswerte Hilfsorganisationen, welche eine vorbildliche und beachtenswerte Arbeit leisten – diese vermitteln i.d.R. nicht gerne in der Adventszeit, weil sie die Risiko von rein emotionalen Anschaffungen kennen – sie wollen keine «Wanderpokale» sondern liebevolle und endgültige Plätze für ihre Hunde.   

Zukünftigen «Hundebesitzer» tun sich gutes, wenn sie sich hinterfragen, ob sie wirklich helfen indem sie einen Hund bei sich aufnehmen. Ja, wir alle können an Weihnachten Gutes tun und den Zauber dieser Tage vermitteln - let us feel the spirit of christmas. Wir beginnen mit uns selbst zufrieden zu sein und übertragen diese Stimmung auf andere. Wer immer noch Zeit und Geduld findet, für einen Freund auf vier Pfoten, dem ist die Hingabe eines Hundes, als ein wertvolles Geschenk, auch nicht verwehrt - The devotion of a dog is a precious gift!

Lasst uns eine Tasse Tee trinken, die Zeit geniessen und einfach mal innehalten. 
]]>